Ralph Treitz über IT

Mein Job als Geschäftsführer eines IT Unternehmens bringt mir Gelegenheit zu vielen spannenden Diskussionen mit interessanten Menschen. Und weil's schade wäre die Erkenntnisse aus solchen Gesprächen einfach so verrinnen zu lassen, halte ich sie halt künftig fest. Kommentare und Diskussion der Thesen sind ausdrücklich erwünscht.

Mittwoch, Dezember 21, 2005

(Kinder)Gartner

Man staunt ja immer wieder, was dem Management so an externen Ratschlägen zu Teil wird. Den Vogel schiesst aber Jahr für Jahr Gartner Group ab. Vielleicht verleiht die Übersetzung aus dem Englischen den Ideen der Analysten besonderen Charme, aber urteilen Sie doch selbst:

Unter dem Stichwort Die zweite Internet-Revolution lesen wir:
"Weil aber das WWW in all seinen Auswirkungen zunehmend den Privat- und Geschäftsalltag bestimme, müssten CIOs nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die sozialen Dimensionen des Netzes genau kennen. Außerdem biete das Internet viele Chancen für neue Geschäfte."
Das ist ja nun eine derart revolutionäre Erkenntnis, dass Gartner unseres Dankes gewiss ist.

Aber es geht ja bei Gartner nicht nur um neueste Erkenntnisse in der IT, nein man erhält sogar praktische Handreichungen für's Jahr 2006: Gartner's 10 goldene Regeln für den CIO und was ich als begabter CIO so davon halten würde :

1. Informieren Sie Ihr Unternehmen über die zweite Internet-Revolution, bevor es jemand anderer macht. (Richtig! Ich darf dann aber in der Vorstandssitzung Finger heben nicht vergessen und nicht wie beim letzten Mal vorlaut losplappern!)

2. Legen Sie bereits im Vorfeld für einige Bereiche einen Migrationsstopp fest. (Genau. Die wahre Führungskraft zeigt ihre Kompetenz im Verhindern unsinnigen Vorwärtsschreitens.)

3. Bereiten Sie die Einführung wichtiger Innovationen für 2008 vor. (Aha. Keine unnütze Eile. Gartner definiert 2006 und 2007 als Übergangsjahre. 2008 wird Bush in Rente gehen und in Peking ist Olympiade. Bis dahin - keine unnütze Hast!)

4. Bereiten Sie sich und ihr Team auf ihre nächsten Projekte vor. (Endlich mal was innovatives. Wollte ich doch immer schon mal machen. Nicht einfach so losarbeiten, sondern mein Team auf die Arbeit vorbereiten ... muss unbedingt mal bei Gartner anrufen, wie man das denn konkret so macht.)

5. Testen Sie eine für Ihr Unternehmen wichtige Software-as-Service-Implementierung. (Klasse, auch dazu gleich mal Gartner fragen, was das eigentlich ist. )

6. Bauen Sie Ihre Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Übernahmen aus. (Hatte Gartner nicht auch mal was von Kernkompetenzen gesagt. Nun gut, zählen wir ab heute eben Kooperationen und Übernahmen zu den Kompetenzen des CIO. CEO und CFO sind eh überlastet, die werden mir dankbar sein !)

7. Gehen Sie Ihre Kapitalausstattung mit Ihrem Chief Financial Officer (CFO) durch. (Aufgrund meiner neuen Aufgaben (siehe 6) ist das natürlich essentiell. Bestimmt verstehen jetzt endlich alle, warum ich mehr Budget benötige.)

8. Bauen Sie sich selbst als "Markenzeichen" auf. Und bauen Sie ein Team auf. (Ha, da bin ich der Zeit voraus. Neulich erst hat der CEO gesagt, "Sie sind mir vielleicht 'ne Marke !")

9. Treffen Sie sich regelmäßig mit Ihrem CEO. (Gerne, aber der will nie. Sagt immer die Diskussionen um SOA, EMC, IBM und all das andere 3-buchstabige Zeugs langweilen ihn)

10. Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Technologien 2006 aktuell werden.
(Na, endlich mal wieder was praktisches, gleich mal bei Gartner anrufen und mehr Services ordern. Die schreiben alles immer so klar und einsichtig. So wie diese Regeln für den CIO.)

Nein, lieber Leser, das alles ist kein Joke. Diese Empfehlungen hat Gartner wirklich aufgestellt. Nachzulesen im CIO Magazin. Und es ist auch kein einmaliger Ausrutscher, die vom letzten Jahr waren genauso naiv.

Jetzt frage ich mich natürlich, was soll man eigentlich vom Rest der Empfehlungen halten, die Gartner so über das Jahr hin absondert ?

Samstag, Dezember 17, 2005

No Details please ?

Gespräch mit dem Leiter des Effizienzprogramms eines grossen deutschen Konzerns. Ziemlich en vogue solche Programme derzeit.

Wir sprechen über Effizienz der IT. Und wie man sie verbessern kann. Ich zeige ihm, in welchen Schritten wir anderen Unternehmen geholfen haben. Der Bottom-Up Ansatz: Wie nutzen die Anwender heute IT, welchen Anteil hat IT an der Wertschöpfung in den Prozessen, wo steht hoher finanzieller und organisatorischer Aufwand einer zu geringen Wertschöpfung gegenüber.

Mein Gesprächspartner erschrickt über dem Reichtum an Details, die man verarbeiten muss, um seine Fragen fundiert beantworten zu können. Nun, wir sind ja in der IT. Da muss man sich die Details ja nicht umständlich besorgen, sondern kann sie per Programm messen. Und mit weiterer Software kann man sie auswerten. Das beruhigt, aber überzeugt nicht.

Sein Erfahrung ruft nach Caesar. Teile und Herrsche. Meint hier: Die Aufgabestellungen der IT müssen eben nur geschickt aufgeteilt werden, dann werden die Verantwortlichen ihre Verantwortungsbereiche optimieren - und letztendlich optimiert sich damit das Ganze.

Der richtige Ansatz - aber am falschen Ende. IT ist nicht die Kunst des Umgangs mit Menschen. IT ist die Kunst des Umgangs mit dem Instrument. Man optimiert ein Orchester nicht durch Delegation der Teilverantwortung auf Streicher oder Blasinstrumente. Das Kniff besteht darin, dass der Dirigent - gestützt auf fachkompetente Künstler - zwar nicht selbst spielt, aber für jedes Detail ein Ohr haben muss. Er korrigiert hier, er verbessert dort, das Werk gelingt.

Ausserhalb der IT nennt man so etwas Management by walking around. Hinhören, dort wo die Arbeit am Produkt, am Kunden geleistet wird. Dann verbessern. In der IT gehört dazu die Fähigkeit den Menschen und der Software zuzuhören.

More details , please ! Wir sind im Geschäft.

Donnerstag, Dezember 01, 2005

Auf der Suche nach dem Trend

Das Jahresende naht. Wie wird 2006 werden? Da das keiner weiss, wird der Publikumsjoker bemüht. Das Ergebnis einer solchen Befragung ist gerade eingetroffen. CIO-Magazin. Ein bisschen wie bei Jauch, wenn man das Publikum erst bei der 64.000 Euro-Frage bemüht. Nicht so ganz eindeutig.

Dennoch wird das CIO-Magazin in den nächsten Ausgaben sicher ganz spezifische Trends für 2006 ausmachen. Ich bin gespannt.

Meine Erkenntnis: es gibt keinen. Die CIOs sagen, sie werden in 2006 ihre Anwendungen pflegen und sie ein bisschen weiter ausrollen. Und sie werden sparen ( neudeutsch: konsolidieren ). Auch 2006 findet die Revolution der IT nicht statt.

Als Herausforderung lesen wir: Projektmanagement und das Management der Geschäftsprozesse. Nicht verwunderlich, ist doch beides der wesentliche Arbeitsinhalt von CIOs in kleinen und mittleren Unternehmen (die laut ebendieser Befragung den Hauptanteil der Teilnehmer stellen). My job is my challenge !

Und Optimismus schimmert durch: trotz Konsolidierung will man mehr Leute beschäftigen. Lustigerweise ohne spezifisch sagen zu können, was die so tun sollen. Mehr politisch korrekter Allgemeinoptimismus also.

Also liebe CIOs - die Karawane zieht weiter, haltet durch !